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In den Dörfern und Ortschaften an der Vecht reihen sich prächtige alter Landhäuser aneinander. Eines der wichtigsten ist der Buitenplaats Goudestein am Ostufer der Vecht in Maarssen. An dieser Stelle begann gewissermaßen die Eigenschaft des Flusses als sommerlicher Zufluchtsort für reiche Amsterdamer.

Maarssen, Goudestein mit Tor an Vecht

Landsitz Goudestein in Maarssen mit seinem schmiedeeisernen Tor an der Vecht. Lange Jahre bewohnt von der Familie Huydecoper. Nun Teil des Gemeindebüros der Gemeinde Stichtse Vecht.

Im Jahr 1608 kaufte Jan Jacobsz. Jacob Bal (1541-1624) den Bauernhof Gouden Hoeff, der an dieser Stelle stand, und baute hier 1618 das erste Haus Goudestein. Später nannte Bal sich Huydecoper. Sein Sohn Joan Huydecoper van Maarsseveen (1599-1661) ließ das Haus 1628 durch den namhaften Architekten Philip Vingboons aus Amsterdam umbauen zum Landhaus Goudestein. Dies wurde die Basis der Landhäuser an Vecht. Wie Goudestein damals aussah können wir einem Gemälde des Jan van der Heyden entnehmen. 

View of Goudestein with a woman and a child walking beside a dyke by Jan van der heyden

 Jan van der Heyden (1637–1712), Ansicht von Goudestein, 17. Jahrhundert

 

Goudestein und Joan Huydecoper van Maarsseveen

Dieser Joan Huydecoper war ab 1632 oder 1634 einer der Vorsteher der niederländischen Ostindien-Kompagnie, der VOC, und wurde mehrmals zum Bürgermeister von Amsterdam ernannt. Er war ein einflussreicher Regent der Weltmetropole Amsterdam und ließ sich auch dort in der Hauptstadt bedeutende Wohnhäuser errichten. Im Jahr 1628 kaufte er als wohl erster Amsterdamer ein Gemälde von Rembrandt van Rijn, noch bevor dieser von Leiden nach Amsterdam umgezogen war. Verheiratet war Huydecoper (in zweiter Ehe) mit Maria Coijmans, Tochter des steinrechen Amsterdamer Händlers Balthasar Coymans. Seine erste Ehe währte nicht lang, seine Braut starb ein Jahr nach der Hochzeit.

Huydecoper kaufte sich den Titel Heer van Maarsseveen und schaffte weitere Grundstücke in der Umgebung an. Er entwickelte diese, baute Landhäuser (so genannte buitenplaatsen) darauf und verkaufte diese mit Gewinn weiter. Praktischerweise zählt der Fluss Vecht zum Rheindelta, in dem sich in vergangenen Jahrtausenden reichlich Ton abgesetzt hat. So hatte Huydecoper den wichtigsten Rohstoff für die Herstellung benötigter Ziegelsteine vor der Tür und gründete eigene Ziegeleien. Damit entwickelte er sich zum ersten Bauträger der Niederlande. 

Goudestein Maarssen, Stoopendaal, Zegepralende Vecht

Goudestein in Maarssen. Kupferstich Nr. XVI aus dem Werk "De Zegepralende Vecht, 1719 erstmals in Amsterdam von Andries de Leth herausgegeben, mit Versen von De Leth, Claas Bruin en Jan de Regt und Kupferstichen und Radierungen von Daniël Stopendaal (1672-1726).

 

Auch Joan Huydecopers Sohn, ebenfalls Joan geheißen, wurde eine wichtige Persönlichkeit in Amsterdam. Er heiratete seine Cousine Sophia Coymans (1636-1714). Auch dieser Joan Huydecoper van Maarsseveen (1625-1704) wurde 1666 Vorsteher der Ostindien-Kompanie und wurde zwischen 1673 und 1693 ganze 13 Mal zum Bürgermeister gewählt. Er hatte großes botanisches Interesse und gehörte um 1682 zu den Gründern des Botanischen Gartens in Amsterdam, des Hortus Botanicus. Auch schrieb er recht detailliert in seinem Tagebuch, dem selbst solche Einzelheiten zu entnehmen sind, wann er mit seine Frau ehelichen Beischlaf hatte.

Im Garten von Goudestein baute dieser Huydecoper unter anderem Taxus und Melonen an. Die Familie empfing hier wichtige Zeitgenossen als Gäste, wie den Dichter Joost van den Vondel und den Sekretär des niederländischen Statthalters, Constantijn Huygens und 1661 sogar Amalie zu Solms-Braunfels, die Gattin von Statthalter Friedrich Heinrich von Oranien.

Die Huydecopers wohnten bei weitem nicht immer selbst in Goudestein. Im 17. Jahrhundert bezogen sie regelmäßig das kleinere, nebenan gelegene Silversteyn und vermieteten das Haupthaus.

Goudestein Maarssen

Landhaus Goudestein in Maarssen, von der Vecht aus gesehen

 

Das neue Goudestein

Das heutige Landhaus Goudestein ließ 1754 Frau Sophia Maria Agatha van der Muelen, Witwe des Jan Huydecoper, im Jahr 1754 errichten. Bis 1911 blieb Goudestein im Besitz der Familie Huydecoper.

Ab 1938 diente das Haus unterschiedlichen Zwecken.  Es wurde zeitweilig zum Büro der SS, Anfang 1945 eine Unterkunft für evakuierte Familien aus der Provinz Limburg und 1946 bis 1959Sitz des Rijksinstituut voor Sociale Jeugdzorg, eines staatlichen Instituts des sozialen Jugendamtes. Im Jahr 1955 wurde Goudestein von der Gemeinde Maarssen gekauft, 1960-1961 restauriert und dann als Rathaus von Maarssen in Gebrauch genommen. Als solches dient es noch heute, auch wenn nebenan im 20. Jahrhundert ein größerer Betonbau die meisten städtischen Beamten beherbergt. Im Goudestein hat der Bürgermeister der heutigen Gemeinde Stichtse Vecht seinen Sitz, denn 2012 wurden die an der Vecht gelegenen Gemeinden Loenen, Breukelen und Maarssen zu dieser zusammengefügt. Außerdem bietet Goudestein eine stilvolle Möglichkeit zu heiraten.

Goudestein Maarssen schmiedeeisernes Tor Vecht

Ein prächtiges schmiedeeisernes Tor mit Rokoko-Elementen aus dem 18. Jahrhundert gewährt von der Vecht aus Zugang zu Park und Haus Goudestein in Maarssen.

Sowohl an der Vecht- als an der Straßenseite kann man je ein prächtiges schmiedeeisernes Zugangstor von 1755 bewundern. Durch diese Tore ist auch der umgebende Landschaftspark öffentlich zugänglich. Dieser stammt wahrscheinlich aus der Periode 1808-1836 und ist nach wie vor eine inspirierende Kulisse für eine Umrundung Goudesteins. Das ist auch im Rahmen einer informativen Führung durch das liebenswerte Dorf Maarssen möglich.

Fassade Goudestein, Fenster mit Wappen der Familie Huydecoper-Ram.

Detail der Westfassade von Goudestein, Fenster in der Mitte des Piano nobile, darunter das Allianzwappen der Familie Huydecoper-Ram.

 

Allianzwappen Huydecoper_Ram, Goudestein Maarssen

Allianzwappen der Familie Huydecoper-Ram an der Fassade von Haus Goudestein in Maarssen

12. Mai 2017

 


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