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Augustinus, De Civitate Dei, 1465-1470, Universitätsbibliothek UtrechtIn der Vitrine liegt ein Haar. Ich hätte es nicht bemerkt, dafür war das ausgestellte Objekt viel zu interessant. Doch der Zufall wollte, dass ich vor dem Exponat stand, als gerade eine Museumskuratorin mit ihrem Gast durch die Ausstellung Heilige Schrift im Museum Catharijneconvent in Utrecht lief. Der Gast war (wenn meine Augen mich nicht getäuscht haben) Professor Herman Pleij, Gastkurator der vorangegangen Sonderausstellung dieses Museums zu besonderen Werken aus dem Depot.

Nun aber gibt es bis 8. Januar 2017 im Museum Catharijneconvent eine Sonderausstellung zum Thema Heilige Schrift zu sehen, mit viel Wissenswertem und Sehenswertem zu den Büchern der drei großen monotheistischen Religionen: dem Tanach des Judentums, der Bibel der Christen und dem Koran des Islam und ihnen verwandten religiösen Schriften.

Heilige Schrift im Museum Catharijneconvent Utrecht

In dieser Ausstellung präsentiert das Museum kostbare Handschriften und gedruckte Bücher mit teilweise atemberaubend schönen Illustrationen und manchmal unerwartetem Inhalt. Ergänzt durch liturgische Geräte der drei Religionen und Videobeiträgen bekannter und weniger bekannter jüdischer, christlicher und islamischer Vertreter aus den Niederlanden. Die zu bewundernden Schriften und Bücher sind zahlreich, es empfiehlt sich, Zeit und Muße für die vielen Kostbarkeiten mitzubringen. Auf den ersten Blick wird klar, dass deren Autoren Schreiber, Drucker und Illustratoren mit enormer Hingabe und großem Zeitaufwand gearbeitet haben müssen.

Koran-Fragment Universitätsbibliothek Leiden, 7. JahrhundertUnd vor der Vitrine mit dem Evangelium von Eller als Ausstellungsobjekt stehend, bekannte die erwähnte Museumsmitarbeiterin, dass uns hier das Detail begegnet, das sie in der Ausstellung am meisten irritiert.

Die Handschrift ist eine Leihgabe aus der British Library in London und stammt aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Mit ihrem Alter von über tausend Jahren gehört sie zu den ältesten hier gezeigten Büchern. Sie kam offenbar mit der Auflage, dass sie in ihrer eigenen Hochsicherheitsvitrine geliefert wird und das Objekt selbst nicht berührt werden darf. Viel Aufwand für ein vergleichsweise kleines Buch, könnte man meinen. Doch manche Bücher sind halt heiliger als andere. Und so bleibt auch das Haar in der Vitrine zu sehen, denn diese darf unter keinen Umständen geöffnet werden. Auch nicht, um ein störendes Haar zu entfernen.

 

Tanach aus Spanien, 15. Jh., Kopenhagen

Oktober 2016

 


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