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Joachim Wtewael, Mars und Venus von Vulkan entdeckt, Mauritshuis Einer der wichtigsten Maler Utrechts und einer der hervorragendsten Vertreter des niederländischen Manierismus. Und kaum einer kennt ihn, diesen Künstler mit dem merkwürdigen (und für Deutsche kaum auszusprechenden) Namen Joachim Wtewael.

Das will das Centraal Museum in Utrecht nun ändern. Und zwar mit der ersten Sonderausstellung, die ihm allein gewidmet ist. Der Utrechter Joachim Wtewael (1566-1638) gehörte zu Lebzeiten zur absoluten Prominenz in der niederländischen Kunstwelt. Sein Name wird gelegentlich auch oder Uytewael oder Wtenwael geschrieben. Sein Stil gehört zum Manierismus, der in den Niederlanden etwas später florierte als in südlicheren europäischen Ländern, und kennzeichnet sich vor allem durch völlig überzogen verdrehte Figuren, Asymmetrie und viel Nacktheit. Ob dies heute noch als schön empfunden wird, mag dahingestellt sein. Zu seiner Zeit aber gehörte dieser Stil gewissermaßen zum letzten Schrei in der Kunst.

Die Gemälde, mit denen er Ruhm und Bekanntheit erlangte, bestehen vor allem aus mythologischen oder auch biblischen Szenen mit oft erotischem Charakter. Venus und Mars eng verschlungen, Lot wollüstig umflirtet von seinen Töchtern, offenherzige Küchenmägde, sogar ein heiliger Sebastian mit erkennbarem rotblonden Schamhaar, ein selten gezeigtes Detail in der Kunst jener Epoche. Pikante Szenen, aufreizende Brüste, sich umschlingende Leiber beim Liebesspiel – von Gemälden wie diesen dürfen wir annehmen, dass sie nicht immer frei zugänglich in den Häusern ihrer Käufer zu sehen waren. Aus gutem Grund wird manches Kunstwerk Wtewaels nur im Schlafzimmer aufgehängt oder vor Blicken geschützt unter Verschluss im Schrank aufbewahrt worden sein.

Eva Wtewael, DetailEine andere Seite von Joachim Wtewaels Werk besteht aus keuscheren biblischen Darstellungen und Porträts. Die Ausstellung im Centraal Museum in Utrecht zeigt beispielsweise einige nahegehende Bildnisse seiner Familie. Wie das liebevoll zu nennende Porträt seiner Tochter Eva in prächtigem Gewand, aufschauend von ihrer Näharbeit – einer Tätigkeit, die die Tugend der jungen Frau unterstreicht. Wir sehen sie im Alter von 21 Jahren. Mit 27 starb sie.

Zu den besonderen Schätzen, die die Ausstellung zeigt – kleine Gemälde auf Kupfertafeln mit virtuoser minuziöser Pinselführung, großformatige Arbeiten, in den bisweilen sogar caravaggistischer Einfluss spürbar wird – gehören auch einige Zeichnungen von Wtewaels Hand. Diese Arbeiten auf Papier sind besonders sensibel und werden deshalb der größeren Öffentlichkeit nicht oft gezeigt. Dem Ausstellungsbesucher sei darum herzlich empfohlen, auch diesen Blättern genügend Aufmerksamkeit zu schenken.

Hand mit Palette und Pinseln, Joachim Wtewael, Selbstbildnis detail So erfolgreich Wtewael war, er betrieb die Malerei nicht einmal zum Broterwerb. Er gehörte zu den angesehen Männern der Stadt Utrecht und war als Flachs-Kaufmann und über die Niederländische Ostindiencompagnie zu Geld gekommen. Als gläubiger Calvinist konnte er im reformierten Utrecht bedeutende städtische Ämter bekleiden. Als junger Mann war der Sohn eines Glasmalers nach Frankreich gereist und hatte am Hof von Fontainebleau Werke international erfolgreicher Hofmaler kennengelernt. Die übten bleibenden Einfluss auf seine eigene Produktion aus, als er sich um 1592 wieder in Utrecht niederließ. In seiner Heimatstadt wurde er auch, gemeinsam mit den Maler-Kollegen Abraham Bloemaert und Paulus Moreelse, zum Mitbegründer der Utrechter Malergilde, der Sankt-Lukas-Gilde.

Das mit großer technischer Bravour gefertigte Werk dieses Mannes wird nun also erstmals einem größeren Publikum in einer monographischen Ausstellung präsentiert. Die Schau gesellt sich zu anderen „Blockbuster" Ausstellungen, die 2015 die Niederlande zu einem mehr als geeigneten Ziel für Kunstreisen machen, wie derjenigen zum Rembrandts Spätwerk im Rijksmuseum oder der Matisse-Ausstellung im Stedelijk Museum, beide in Amsterdam.

Ein letzter Tipp für Liebhaber großer handwerklicher und künstlerischer Fertigkeiten: Manche sorgfältig gemalten Details sind so haarfein, dass auch gute Augen sich über eine Lupe freuen - von der im Übrigen gemutmaßt werden kann, ob Wtewael sie selbst nicht auch als Hilfsmittel beim Malen einsetzte.

Liefde & Lust, Centraal Museum Utrecht, 21. Februar – 25. Mai 2015

Ein Besuch der Wtewael-Ausstellung im Centraal Museum lässt sich ideal kombinieren mit einer interessanten Stadtführung durch die charmante Stadt Utrecht im Herzen der Niederlande.

 Wtewael, Küchenmagd mit Spieß

 


Stadtführungen & Museumsführungen

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