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Slot Zuylen (Schloss Zuylen) mit SchlangenmauerIn der Vechtregion zwischen Utrecht und Maarssen erwartet die Liebhaber von Kultur und Natur mit Slot Zuylen (Schloss Zuylen) eine der schönsten Schlossanlagen der Region, gelegen im Dorf Oud Zuilen an der Vecht.  Nicht nur bekannt wegen seiner berühmtesten Bewohnerin, der Autorin Belle van Zuylen (1740-1805), auch wegen seiner ungewöhnlichen Schlangenmauer. Die Schlangenmauer aus dem Jahr 1742 und schlängelt sich über 120 Meter am Schloßpark entlang und bietet mit ihren Rundungen klimageschützte Nischen, in denen selbst hier in den Niederlanden Südfrüchte wie Pfirsiche, Aprikosen und Feigen gedeihen. 

Das Schloss fungiert seit 1952 als Museum, nachdem es zuvor jahrhundertelang von der adeligen Familie Van Tuyll van Serooskerken bewohnt wurde. 

Landgut an der Vecht mit langer Geschichte und interessanten Bewohnern

Die heutige Erscheinung des Schlosses geht auf umfangreiche Umbaumaßnahmen des Jahres 1752 unter dem Architekten Jacob Marot, Sohn des bekannteren Daniel Marot zurück. Damals ließ Diederik Jacob van Tuyll van Serooskerken Schloss Zyulen zu einem repräsentativen Landsitz in klassizistischem Stil umbauen, entsprechend der Mode, der sich viele wohlhabende Besitzer von Landschlössern an der Vecht unterwarfen. Dabei wurden Elemente älterer Architektur beibehalten, wie die Ecktürme, das Torhaus und das Kutscherhaus. 

Schloss Zuylen, Eckturm mit ZwiebelhelmZuvor war Schloss Zuylen ein eher mittelalterliches Wasserschloss, das im 16. Jahrhundert auf Veranlassung seines Schlossherrn Willem van Remensberg zu einem zeitgemößen Ritterschloss ausgebaut worden und dessen ritterlicher Anspruch 1536 von den Staten van Utrecht bestätigt worden war. Als solches ist es noch auf Kupferstichen des 17. Jahrhunderts zu sehen. Die Wurzeln des Schlosses reichen noch weiter zurück in die Geschichte. An der Wiege von Slot Zuylen stand ein Wohnturm aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der mit 2,70 Meter dicken Mauern einen Innenraum von etwa fünf mal sechs Metern umschloss. 

Verglichen mit anderen Schlössern und Ritterburgen der Umgebung überstand Schloss Zuylen die Wirren der Zeit übrigens vergleichsweise gut. Nicht einnmal im katastrophalen Rampjaar, als 1672/73 französischen Truppen eine Spur der Verwüstung an der Vecht hinterließen, musste das Anwesen Federn lassen, denn der Schlossherr hatte von den Franzosen ein sauvegarde, einen Freibrief bemächtigen können. 

Im Inneren können im Rahmen von Führungen verschiedene Räume besichtigt werden. Die repräsentativsten befinden sich, wie es sich für einen klassischen noblen Landsitz gehört, auf der ersten Etage. Erstaunlicherweise trifft man hier auch auf die alte Küche. Die Schlossküche wurde zum Schutz vor Hochwasser eine Etage über dem üblichen Erdgeschoss angelegt, denn der nahegelegene Fluss Vecht führte regelmäßig zu Überschwemmungen.

Vorderseite Slot Zuylen, EingangDas Prunkstück dieser Beletage bildet der Gobelinsaal, dessen Wände mit gewobenen Wandteppiche bespannt sind. Gewoben worden diese Tapisserien aus flämischen Tuch durch den Delfter Weber Maximilian van der Gucht. So sind es trotz des Namens des Saals keine Gobelins. Denn streng genommen dürfen nur Wandbehänge aus der Manufacture nationale des Gobelins in Paris den Namen Gobelin tragen. Die behangene Wandfläche ist mit 75 Quadratmetern so groß, dass die Reinigung und Restaurierung in den 1990er Jahren ganze sechs Jahre in Anspruch nahm. Um bei Brandgefahr schnell entfern werden zu können, sind die Wandteppiche mittlerweile mit Klettband statt mit Nägeln befestigt.

Im Esszimmer sind lebensgroße Portäts der Herren van Tuyll van Serooskerken zu bewundern, die dem Maler Hendrick Blooemaert (1601/02-1672), Sohn des "Vaters der Utrechter Malerschule" Abraham Bloemaert zu verdanken sind. Auch Gemälde anderer großer Meister  der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts sind in Slot Zuylen zu sehen, darunter die Drei Grazien von Gerard van Honthorst und Werke von Roelant Saverij, Nicolaes Maes und Herman und Cornelis van Saftleven. 

Auf der zweiten Etage befinden sich die Zimmer der berühmtesten Bewohnerin von Schloss Zuylen, Belle van Zuylen. Belle wurde am 20. Oktober 1740 als Isabella Agneta Elisabeth van Tuyll van Serooskerken geboren und verdankt ihre Bekanntheit ihrer Schreibkunst. Dabei verfasste sie als Schriftstellerin nicht nur Romane und Bühnenstücke, sondern auch zahlreiche Briefe, mit denen sie mit verschiedenen internationalen Denkern korrespondierte, darunter der schottische Gelehrte James Boswell und vor allem der 17 Jahre ältere schweizer Colonel David Louis Baron de Constant de Rebecque, seigneur de Villars-Mendraz et d'Hermenches. Sie heiratete erst mit 30 Jahren und zwar den ehemaligen Hauslehrer ihrer Brüder Charles-Emmanuel de Charrière aus dem niederen schweizer Adel. Zuvor hatten sich bereits verschiedene Kandidaten zurückgezogen, unter anderem weil Belle van Zuylen eigenen Aussagen zufolge über "kein Talent für Unterordnung" verfüge. Eine Eigenschaft dieser für ihre Zeit erstaunlich frei denkenden und emanzipierten Autorin, der sich manche Frau aus der Region noch immer gern rühmt. 

Hier zur (niederländischen und englischen) Webseite von Schloss Zuylen.

Literaturtipp
Karin Verboeket u.a., Slot Zuylen, Oud-Zuilen, Ludion, Amsterdam-Gent 2009. ISBN 9076588422.

6. April 2013

 

 

 


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