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Fuller-Brosche London, British Museum Große Güte, wie lange ist es her, dass ich zum ersten Mal von ihr hörte. Das war noch während des Studiums und meine erste Bekanntschaft mit ihr machte ich über eine mäßige schwarz-weiß-Abbildung, wenn ich mich recht erinnere. Heute begegnete ich ihr zufällig wieder, diesmal digital.

Darf ich vorstellen: die Fuller-Brosche, die frühste bekannte bildliche Darstellung der fünf Sinne in der Kunst, zumindest in der westlichen Kunst.

Eine angelsächsiche Silberbrosche aus dem 9. Jahrhundert n.Chr., exzellent erhalten für ihr Alter. Meine Beschäftigung mit den fünf Sinnen in der Kunst mündete in wissenschaftlichen Untersuchungen. Diese Brosche kam darin nur am Rande vor. Und doch erinnere ich mich gut, dass es ein ganz besonderes Erlebnis war, als ich ihr vor einigen Jahren endlich Auge in Auge gegenüberstand, im British Museum in London. Es war beinahe, als träfe ich eine alte Bekannte. 

Paulus Moreelse, Blonde Schäferin, 1624 Wir wissen nicht einmal, wie sie hieß. Wahrscheinlich entweder Catharina oder Johanna oder Gijsberta. Doch es hat sie gegeben. Und weil Malerinnen unter den Malergrößen des 17. Jahrhunderts noch spärlich gesät sind, sind diese Zeilen ihr gewidmet.

Ihr Vater gehörte, wenn auch sein Ruhm heute etwas verblasst sein mag, zu den großen Künstlerpersönlichkeiten seiner Zeit und seiner Stadt, und wohl auch darüberhinaus. Er hatte viele Kinder, darunter sieben Töchter. Und von einer berichtet der Utrechter Humanist Aernout van Buchel, dass er sah, wie sie am 14. November 1634 ihrem Vater half, einige Details eines Portraits zu malen. Das ist alles, was wir wissen. Und dass sie wohl nie verheiratet war. Alles andere müssen wir deduzieren, vermuten, erraten.

Das Malen hat sie sicherlich beim Vater und in seiner florierenden Werkstatt gelernt. Vielleicht auch das technische Handwerk, das dazugehörte, wie Pigmente reiben, Leinwände grundieren und Zeichnen sowieso. Wenn sie auch sicher nicht in der Zeichenakademie zugelassen war, die ihr Vater zusammen mit führenden Meistern seiner Stadt Utrecht betrieb. Das hielt man nichts für Frauen. So musste auch Anna Maria van Schurman, eine der erste großen intellektuellen Frauenzimmer ihrer Zeit, hinter einem Vorhang versteckt werden, wenn sie Vorlesungen an der Universität lauschte, was ihr nur mit solcher Heimlichtuerei gestattet war. 

Während der Arbeit an und für Kukullus fallen ab und zu Nebenprodukte an. Überlegungen, die das Teilen wert sind, aber im Rahmen von Kukullus.nl und seinem Angebot nicht ausreichend beachtet oder besprochen werden können. Daher dieser Blog, der hoffentlich in den nächsten Wochen und Monaten stetig wachsen wird. Kommentare und Anregungen sind willkommen.

18. Januar 2012

 

Ohne eine Beziehung zu Rubens gibt es keine Legitimation für eine Ausstellung (älterer) Kunst in Siegen, könnte man meinen. Da die Stadt auf dem Gebiet von Kunst der Neuzeit wenig anderes zu bieten hat als ihre Eigenschaft als Geburtsstadt des Barockmeisters, muss sein Name für Vieles herhalten, wenn es heißt, dem einheimischen Publikum den Genuss etablierter Großmeister der Malerei oder Graphik schmackhaft zu machen. So zumindest scheint es, doch lasse ich mich gern eines Besseren belehren.

Siegen, Oberes Schloss, SiegerlandmuseumJüngstes Indiz für diese Hypothese ist die Goya trifft Rubens betitelte Ausstellung im Siegerlandmuseum im Oberen Schloss, die dort noch bis zum 15. August 2010 zu sehen ist. Eine persönliche Bekanntschaft beider Künstler ist ausgeschlossen und auch der Nachweis wichtiger Wechselbeziehungen künstlerischer Art zwischen beiden Œuvres gestalten sich problematisch. Rembrandts graphisches Werk wäre sicherlich besser als Vergleichsmaterial geeignet.

Diese Kritik schmälert jedoch nicht die für Siegen beachtliche Leistung, den Besuchern der Ausstellung Originalgraphiken eines Klassikers der Kunstgeschichte zu zeigen, die durch die Leihgaben von 253 Radierungen des Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg ermöglicht und von der örtlichen Sparkasse finanziell unterstützt wurde.

Neben einigen Einzelblättern werden die vier bedeutenden graphischen Zyklen Goyas gezeigt, der mit vollem Namen Francisco José de Goya y Lucientes hieß und von 1746 bis 1828 lebte. Hierzu mussten große Teile der Museumssäle leer- oder umgeräumt werden, nahezu das ganze Schloss ist mit Werken des Meisters behängt. Dem Besucher wird empfohlen, ausreichend Zeit mitzubringen, denn auf den 253 gezeigten Graphiken gibt es viel zu entdecken.

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