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In den Niederlanden wurde heute das erste Kiebitzei 2014 gefunden, diesmal in der Provinz Gelderland, im Örtchen Delwijnen. Damit kann hier (in)offiziell der Frühling für eröffnet erklärt werden. Die Suche nach Kiebitzeiern ist eine  alte friesische Tradition. Fast überall in Europa ist es verboten, das Ei mitzunehmen - außer in Friesland. Dort dürfen Finder es unter Auflagen als Trophäe mitnehmen, was auf kulturhistorische Gründe zurückgeht. Das erste jeweils gefundene Ei in einem Jahr wird traditionsgemäß dem Kommissar des Königs (bis vor Kurzem: der Königin) überreicht. In diesem Jahr wird das nun nicht passieren, weil es in Gelderland brav in seinem Nest bleiben wird.

5. März 2014

 

Es kann sich durchaus schon einmal lohnen, von gebahnten oder geplanten Wegen abzuweichen. Bei einem Museumsbesuch zum Beispiel. So gelangte ich neulich einigermaßen ungeplant ins oberste Stockwerk des Centraal Museum in Utrecht. Hier werden archäologische Funde aus Provinz und Stadtgebiet Utrecht zur Schau gestellt, manche museumspädagogisch aufgearbeitet, andere bisher nur einigermaßen sortiert.

 Becher Jungsteinzeit von Huis Doorn, Geschenk von Kaiser Wilhelm II.

Becher aus dem Neolithikum, gefunden bei Gartenarbeiten von Kaiser Wilhelm II. für den Rosengarten von Huis Doorn.

 

Unter den informativ in Vitrinen gezeigten Objekten fiel mein Auge auf ein paar Kuriosa eines deutschen Gönners, wenn auch keineswegs von deutschem Boden. Dieser freundliche Herr war niemand Geringeres als der letzte und zu diesem Zeitpunkt bereits ehemalige deutsche Kaiser. Als sich Kaiser Wilhelm II. im niederländischen Exil befand, bewohnte er das Anwesen von Huis Doorn, ein Landsitz in der waldreichen Umgebung Utrechts, der auf eine mittelalterliche Burg zurückgeht und mit ausgedehnten Parkanlagen umgeben ist. Der habsburgische abgetretene Kaiser war kein Mann, untätig der Dinge zu harren, die da kommen sollten. So gehörte neben vielem anderen die Umgestaltung der Gärten zu seinen Aktivitäten. Und bei den Arbeiten an einem Rosarium, einem Rosengarten, stießen er und seine Mannen auf einen ungewöhnlichen Fund, einen Becher aus heller Keramik. Der entpuppte sich als ein Objekt aus der Steinzeit, genauer dem Neolithicum, etwa von 2500 – 2000 v. Chr. 

Jüngst hatte ich Gelegenheit, mich mit der Geschichte der Wendeltreppe befassen zu dürfen, was mich sinnierend zu der Frage brachte: Wo finden wir denn eigentlich sehenswerte Treppen in den Niederlanden? Zugegeben, Holland ist flach und eine Sammlung erstaunlicher Treppen ist nicht die erste Assoziation mit den Niederlanden als Reiseziel. Und die oft halsbrecherischen Stiegen in Wohnhäusern in Amsterdam und anderswo sind in Blogs, Reiseführern und interkultureller Literatur umfangreich genug beschrieben worden. Die lassen wir hier mal außen vor.

Austerlitz Pyramide

Die Pyramide von Austerlitz, gelegen zwischen Zeist und Doorn im Waldgebiet Utrechtse Heuvelrug.

Natürlich haben auch im Flachland Türme, die es zu erklimmen gibt, ihre Reize, allen voran der Domturm in Utrecht, aber auch der Turm der Westerkerk in Amsterdam. Wäre da in meinem Fall nicht die Neigung zu Höhenangst, die mich bei Zeit und Weile an einer Turmbesteigung hindert. Einfacher ist es da mit der Pyramide von Austerlitz. Ja, durchaus, es gibt eine Pyramide in den Niederlanden. Sie wurde 1804 von Soldaten Napoleons errichtet und besteht im Wesentlichen aus aufgeschüttetem Erdreich. Der französiche General Auguste de Marmont, der hier eine Gruppe von Soldaten zu einem schlagkräftigen Heer gegen die Briten zusammengeschmiedet hatte, war so zufrieden mit seinen Männern, dass er dafür von ihnen dieses ungewöhnliche Monument bauen ließ. Praktischer Entschluss, konnte er damit doch auch eventueller Langeweile unter den Soldaten entgegenwirken. Nun gut, eine Pyramide ist eigentlich keine Treppe, aber die Form dieser Stufenpyramide ist immerhin verwandt und oben auf die durch einen Obelisken gezierten Spitze gelangt man dann doch über eine Treppe.

 

Und zwar im Nervenzentrum der Stadt, wo alles begann. Auf dem Domplein, dem Platz zwischen (dem Rest) der Kathedrale und dem Wahrzeichen der Stadt, dem Domturm.

Utreccht Dom Ausgrabung 2013 mit freigelegten Pfeilern

Die Ausgrabungen für die 'Schatkamer Domplein' in Utrecht in vollem Gange. Hier bereits freigelegte Pfeiler des unter dem 1674 eingestürzten Kirchenschiff. 

Hier hatten die Römer bereits ein Fort errichtet und hier entstand im tiefen Mittelalter der erste christliche Sakralbau Utrechts, als Bischof Willibrord sich daran begab, das Land zu missionieren. Danach ging es steil bergauf. Diese Stelle war Schauplatz mehrerer aufeinander folgender Kirchenbauten, bis schließlich zwischen 1254 und 1517 der heutige Dom errichtet wurde. Und dessen Kirchenschiff stürzte bei einem schicksalhaften Orkan 1674 ein. Als der Schutt rund 150 Jahre später beseitigt wurde, entstand der Platz im Zentrum, der heute so kennzeichnend für Utrecht ist, der aber stadtplanerisch so ursprünglich nicht beabsichtigt war.

Gestern hatte ich das Privileg, einer Wohnzimmervorstellung ('woonkamer voorstelling') des Theaterstücks „Ik ben niet de oorlog" (Ich bin nicht der Krieg) von Carolien Zimmerman beiwohnen zu dürfen, mit daran anschließender anregender Diskussionsrunde.

Ein mutiges Stück, in dem die Schauspielerin sich mit den Rollen auseinandersetzt, die ihre niederländischen und deutschen Großeltern während des Zweiten Weltkrieges innenahmen. Carolien Zimmerman begibt sich auf Spurensuche nach ihrer Familiengeschichte, vor allem der deutschen, und löst dabei auch im Publikum so mancherlei heftige Emotion aus. Eine überraschende, konfrontierende, abwechslungsreiche und bisweilen auch humorvolle Darbietung, unter Begleitung des Musikers Daniel Cross, der sich wie nebenbei auch als scheinbar zwangloser Erzähler entpuppt. Jedem/r ans Herz gelegt, der/die sich selbst gelegentlich fragt, was die Rollen der eigenen Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern in jener dunklen Epoche waren. Und allen anderen eigentlich auch.

Das Duo überlegt, in Zukunft außer in den Niederlanden auch in Deutschland aufzutreten und ist gewiss an ernstgemeinten Ideen und Vorschlägen interessiert.

http://ikbennietdeoorlog.wordpress.com/

Gestern hat sie's also dann getan. Ihre Abdankung angekündigt. Königin Beatrix der Niederlande wird ab 30. April 2013 keine Königin mehr sein und das Amt ihrem Sohn und Thronfolger Prinz Willem Alexander überlassen.

Kaum eine Chance also für mich, die Königin noch einmal als Königin zu sehen. Einmal wäre es beinahe gelungen. 1999 fand der alljährliche Koninginnedag in Utrecht statt. An diesem nationalen Feiertag besucht die königliche Oranje-Familie jedes Jahr ein bis zwei Orte in den Niederlanden und läßt dabei geduldig Paraden von Blasorchestern und tanzenden Teenagern über sich ergehen, aufgelockert von traditionellen niederländischen Freizeitbeschäftigungen wie Koekhappen, Sjoelen, Toilettenschüssel-Werfen oder anderen heiteren Geschicklichkeitsspielen.

Am 30. April 1999 war ich auch in Utrecht, mein zweiter Frühling in der Stadt, und ließ es mir nicht nehmen, mich dem Volksauflauf in der Innenstadt anzuschließen. Schließlich gab es einen leibhaftigen Blick auf Königs zu erhaschen und so etwas haben wir ja in Deutschland nicht mehr. Was das betrifft, habe ich mich wohl wie der durchschnittliche ZDF-Zuschauer verhalten. Und ich habe sie gesehen, die Königin Beatrix. Oder eigentlich ihren Hut, wenn ich ehrlich bin, denn die Leute vor meiner Nase (Holländer halt) waren zu groß, um gut über ihre Schultern schauen zu können. Immerhin, ich konnte davon ausgehen, dass sich unter dieser Kopfbedeckung in rötlichen Farbtönen mit großer Wahrscheinlichkeit Ihre gesamte Majestät befand.

Ein niederländisches must-eat  zum Jahresende. Beim oliebol  handelt es sich um ein traditionelles Gebäck, das vor allem in den letzten Tagen des Dezember verzehrt wird, besonders gern an Silvester (oudejaarsavond). Er ist verwandt mit dem Berliner Ballen bzw. Pfannkuchen wie er in seiner "Heimat"-Region genannt wird. Und sein Name ist Programm bzw. Rezept. Oliebol bedeutet buchstäblich "Ölballen" oder "Ölkugel", en Bällchen von flüssigem Teig, das in Öl gebacken wird. Darum schmeckt er auch meist - zumindst in meinem Erleben - klebrig, pappig, fett und ist lediglich mit viel Puderzucker zu ertragen. Da helfen auch die Rosinen nicht viel, die zur Geschmacksverfeinerung (oder zum Trost?) in den Teig gerührt werden.

 

Oliebollen met krenten
Door Teunie uit nl, CC BY-SA 3.0, Link

 

Woher stammt der Oliebol? Zur Geschichte der Oliebollen

Man ahnt es: ich bin kein großer Fan dieser Backtradition. Kulinarische Integration kann halt das eine Mal angenehmer ausfallen als das andere Mal. Nichtsdestotrotz - es gibt gute Gründe für den oliebol  und den Umstand, dass er sich noch immer solcher Beliebtheit erfreut. Denn der Sage nach aßen bereits die alten Germanen vergleichbares Gebäck zum Julfest Ende Dezember. Auch brachten sie Speiseopfer in frittiertem Teig dar, um der Sagengestalt Frau Perchta Einhalt zu gebieten. Diese konnte gerade in jener dunklen Jahreszeit auftauchen und Menschen, angeblich wegen Faulheit, angreifen und ihnen den Bauch aufschlitzen. Der Fettgehalt nun sorgte dafür, dass ihr Schwert am attackierten Menschen abglitt und keine Verletzung entstand. Hierin sehen die einen den Ursprung dieses Ölgebäcks.

Man begegnet ihnen auch an anderen Orten in den Niederlanden. Doch an der Vecht kommen sie in geballter Konzentration vor. Theekoepels, wörtlich: Teekuppeln - Pavillons, die zum Garten oder Park eines der imposanten Landhäuser gehören, die reiche Kaufleute und andere Betuchte sich hier bauen ließen. Wie kam es dazu?

Pavillon ("theekoepel") von Haus Leeuwenburg in Maarssen Zandpad 34

Reetgedeckter Pavillon ("theekoepel") von Haus Leeuwenburg am Zandpad 34 in Maarssen. Leeuwenburg war in der Vergangenheit auch als Boekendael und Spruytenburg bekannt.

Amsterdamer Unternehmer und Patrizier wurden im Zuge der Wirtschaftsblüte des Goldenen Zeitalters, mit Unternehmungen wie der VOC, der Verenigde Oostindische Compagnie, vermögend oder noch reicher, als sie zuvor schon waren. Das ermöglichte es ihnen, in den warmen Sommermonaten der eng und schmutzig werdenden Stadt und ihren unangenehmen Gerüchen zu entfliehen. Sie ließen sich teure Villen im Grünen bauen, vorzugsweise am Fluss Vecht zwischen Utrecht und Amsterdam oder an anderen beschaulichen Wassern, schafften im Sommer ihren Hausrat hierhin und ließen es sich dann gutgehen.

Jüdischer Friedhof Zandpad Utrecht VechtWer sich eine Radtour an der Vecht entlang von Utrecht nach Maarssen gönnt, dem kann stadtauswärts ein Gebäude auffallen, dessen Eingang nicht nur mit einem Zutritt-verboten-Schild sondern auch mit einer hebräischen Inschrift verziert ist. Der längliche Ziegelbau beherbergt eine Aula und eine Hausmeisterwohnung. Und dahinter verbirgt sich ein jüdischer Friedhof. Erst ab 1788 durften Juden sich offiziell in Utrecht ansiedeln. Zuvor waren zwar manche bereits in der Stadt tätig, beispielsweise als Händler, durften dort aber nicht wohnen. Dagegen kannten umliegende Gemeinden jüdische Bevölkerungsanteile, wie besonders Maarssen, wo sich ab dem 17. Jahrhundert zunächst viele so genannte portugiesische Juden ansiedelten, die von der iberischen Halbinsel vertrieben worden und in Richtung Amsterdam geflüchtet waren. Diese Gruppe war oft vergleichsweise wohlhabend. Später kamen auch askenasische Juden hinzu, die aus dem östlichen Deutschland und Osteuropa stammten und in der Regel zu ärmeren Schichten gehörten.

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