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Utrecht kennt viele bemerkenswerte Steine. Der vielleicht auffälligste musste sogar angekettet werden und heißt darum der „geschlossene Stein“ (de gesloten steen). Wer ihn sucht, findet ihn an der Echte Oudegracht / Eligenhof. Wer ihn nicht sucht, stolpert bei einem Spaziergang entlang der Oudegracht vielleicht bei Hausnummer 364 zufällig darüber.

Der Stein an sich ist ein Findling, ein in den Niederlanden so genannter „zwerfkei“, in diesem Fall aus grauem und rotem Granit. Ein schwerer Brocken also. Warum in aller Welt musste er an die Kette gelegt werden? Nicht, damit Fahrräder, nach wie vor gern geklautes Transportmittel in Holland, daran sicher abgestellt werden können, wie auf unserem Foto. Nein, es machen verschiedene Erklärungen die Runde.

 

Gesloten steen - teuflischer Stein an der Kette in Utrecht Der Utrechter "gesloten steen", der Stein an der Kette. Ein Findling mit legendärer Vergangenheit

 

Die populärste lautet: Teufel spielten mit diesem Stein regelmäßig Murmel oder Handball. Auch Hexen, Riesen, böse Geister und Zauberer werden als Spielteilnehmer genannt. Der Lärm, den sie dabei verursachten, ging den Umwohnenden so sehr auf die Nerven, dass ein Priester bestellt wurde, der die Teufel und seine Spielkameraden bei einer Prozession vertreiben sollte. Sicherheitshalber wurde dabei der Stein auch kurzerhand angekettet.

Einer weiteren Legende nach blieb der teuflische Charakter des Findlings allerdings erhalten. Denn wenn man ihn bei Vollmond um Mitternacht mit einer Nadel sticht, blutet der Stein.

Ein Stein an der Kette in Utrecht

Der Stein selbst wurde bereits in einem Dokument von 1520 „gesloten steen“ genannt. Tatsächlich diente er wahrscheinlich als Schutz der Hausecke. Denn vor dem 19. Jahrhundert kannte man noch keine Bürgersteige und von Pferden und Ochsen gezogene Karren drohten immer wieder, das Gebäude zu beschädigen. So diente der Stein als „schampsteen“, als buchstäblicher Bordstein, an dem Fuhrwerke entlangkratzen konnten.

Auch eine weitere Erklärung ist plausibel. Im Jahr 1795 wurde Utrecht in verschiedene Viertel aufgeteilt. Unser teuflischer Stein lag dabei auf der Grenze von zweien dieser Viertel, dem der Pekstokken („Pechstöcke“) und dem der Zwarte Knechten (schwarzen Knechte). Die wetteifernden nachts darum, ihr jeweiliges Gebiet zu vergrößern, indem sie den Stein verschoben. Als den Bewohnern das zu bunt wurde, wurde er schließlich angekettet.

 

Der 'Geschlossene Stein' Utrecht Oudegracht

Der 'Geschlossene Stein' (gesloten steen) an der Oudegracht in Utrecht, einst Spielball von Teufeln, Hexen und bösen Geistern.

 

Das Gebäude, vor dem der Findling liegt, heißt ebenfalls Gesloten Steen. Es gehört zu einer Zigarrenfabrik, die hier 1844 von Ribbius Pelletier errichtet wurde. Dieses Haus war bis Ende 2014 Sitz eines Zentrums für Aktivitäten und Menschen mit psychischen Problemen, dessen Eigentümer Atrecht es dann zum Verkauf freigab. Eine Entscheidung, die von manch Betroffenem auch als steinhart erfahren wurde.

Wer besondere Sehenswürdigkeiten in Utrecht besser kennenlernen möchte, findet hier interessante Stadtführungen in Utrecht.

10. Januar 2015 

 


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